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Allüberall: Ubiquitäres Lernen erfordert neue Konzepte

Die digitale Ungeduld liebt Erklärfilme und Micro-Learning

Wenn in einer Welt des digitalen Wandels und der Mobilität vieles ungewisser wird, muss sich auch das E-Learning darauf einstellen. Mit den allgegenwärtigen Smartphones und Tablets ändern sich die Nutzer und die Nutzungsumgebungen: Wann und wo und von wem werden Inhalte aufgerufen? Kleine Informationshäppchen in Erklärvideos sind einer der starken Trends.

Seit es Computer gibt, gibt es Ansätze von E-Learning. Schon in den 60er Jahren wurde versucht, Lerninhalte über Computer zu vermitteln. Seither gab es eine enorme Entwicklung, die insbesondere mit der Digitalisierung und der Verbreitung mobiler Endgeräte an Geschwindigkeit zugelegt hat. Und sie ist ähnlich offen, wie es der digitale Wandel selbst auch ist.

„Wir befinden uns in einer ungewissen Welt, in der wir nicht wissen, wo es hingeht, in einem stetigen digitalen Wandel“, erklärt Johannes Starke, Produktmanager E-Learning. Dementsprechend sei für viele Akteure der traditionelle Begriff E-Learning nicht mehr zeitgemäß, es sei schick geworden, von Cyber Learning zu sprechen oder E-Learning gar für tot zu erklären.

Wie die ubiquitäre Nutzung die (Lern-)Welt verändert

Als klassisches Beispiel für den digitalen Wandel führt er das Video und Spiele wie Pokémon Go oder Quiz-Duell auf, deren Hypekurve zwar rasch wieder abebbte, aber dies nicht folgenlos: „Diese Art von Apps haben inspirierende Lernformen geprägt.“

Die allgegenwärtige, eben ubiquitäre Nutzung der digitalen Medien sorgt nicht nur dafür, dass man auf Konzerten das Smartphone zückt und die Welt durch die Kamera wahrnimmt, sondern auch, dass man ganz anders lernt. Auch die Produzenten von E-Learning müssen sich den neuen ubiquitären Erfordernissen stellen und Antworten finden. Denn jetzt geht es um Lerninhalte, die nicht mehr im LMS rollenbasiert und zielgruppengemäß gesteuert werden, sondern um Lerninhalte, die jeder zu jeder Zeit auf seinem Smartphone öffnen kann: zu Hause, im Büro, beim Außentermin – eben in jedem beliebigen Kontext.

Wie die ubiquitäre Verfügbarkeit von Lernen das Lernen selbst prägt, zeigt sich an der großen Vielfalt verschiedenster moderner E-Learning-Maßnahmen. So entwickelte tts zum Beispiel für die Auszubildenden von REWE ein Shoptraining in Kombination mit Beacons. Die kleinen Sender rufen Lerneinheiten auf den Smartphones der Azubis auf, sobald sie sich in der Nähe des entsprechenden Beacons befinden. Der neueste Trend ist es, Käufer und Verkäufer auf Augenhöhe gemeinsam durch Lerninhalte zu führen, wie dies bei einer mobilen App für WACKER entwickelt wurde. Hier klicken sich Mitarbeiter und Kunde gemeinsam durch einen Entscheidungsbaum und kommen zu einer Produktempfehlung.

So wie in den Musikdiensten, Beispiel Spotify, selten ein ganzes Album, dafür eher einzelne Songs gehört werden, ist auch beim Lernen der Trend Richtung Micro-Learning zu beobachten.Die digitale Ungeduld fragt nicht nach langwierigen Hintergründen,sondern möchte schnelle und kurze Antworten auf konkrete Fragen. Lerninhalte sollen kurz verpackt sein und sie könnten zum Beispiel mit einem Vorschlagswesen wie bei Amazon verbunden werden oder mit eigenen „Lern-Playlists“, die die Nutzer selbst verwalten. Hier wird es in naher Zukunft noch viele neue Entwicklungen geben. Problematisch ist dabei die kontextuelle Einordnung,erläutert Starke: „Selten ist ein Lerninhalt von 5 Minuten völlig ausreichend. Was kommt nach dem‚Micro’, wenn wir nicht mehr wissen,in welchem Kontext, zu welchem Zeitpunkt und auf welchem Device dieser Lerninhalt eingesetzt wird?“

Erklärvideos als neuer Hype

Didaktisch betrachtet fehlt es Erklärvideos an Interaktivität: zurücklehnen und passiv konsumieren entspricht nicht den anerkannten Lerntheorien. Doch die Einfachheit und ubiquitäre Verfügbarkeit sprechen für sich und kurze Sachverhalte lassen sich mit Erklärvideos hervorragend prägnant und unterhaltsam umsetzen. Auf dem Trendmonitor der beliebtesten Lernmedien stehen sie daher weit oben. „Unkomplizierter als mit einem Erklärvideo können Sie Lerninhalte kaum verbreiten. Sie laufen immer und auf jedem Gerät“,so Starke. Und das Medium selbst hat sich der Beliebtheit schon angepasst:Untertitel nehmen Rücksicht auf lautloses Sehen, etwa in der U-Bahn.Als Format hat sich das Quadratformat durchgesetzt, da man nie weiß,ob das Gerät hoch- oder querkant gehalten wird. Für Merck erstellt tts kontinuierlich eine ganze Serie an Videos mit kurzen Informationshäppchen zu HR-Prozessen.Neue Lernergruppen abseits des Bildschirms auf dem Schreibtisch,wie etwa Paketzusteller, aber auch Motivationsprogramme sind nur einige der vielen weiteren Trends im guten alten E-Learning, das als Ausprägung des digitalen Wandels zwar einen altmodischen Namen, dafür aber eine aufregende Zukunft hat.


Facts & Figures

• Ubiquitäres Lernen:mobil und immer abrufbar

• Lernen auf dem Smartphone:Herausforderung desflexiblen Kontextes

• Digitale Ungeduld erfordertneue Herangehensweise

• Große Beliebtheit von Micro-Learning und Erklärvideos