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Sascha Lobo: Digitalisierung – nur Mut!

Wie die Vernetzung die Welt verändert und was das für Unternehmen bedeutet

Wie die Vernetzung die Welt verändert und was das für Unternehmen bedeutet


Die digitale Zukunft ist schon längst im Gange und führt zu einem Umbruch, dem sich kein Land, kein Unternehmen und kein Bürger entziehen kann. Erst die dynamische Wechselwirkung zwischen Technologie und menschlichem Verhalten ermöglicht diesen Prozess. Da wir ihn nicht aufhalten können, heißt es, ihn aktiv mitzugestalten und aktiv alle seine Chancen zu ergreifen − so die mutmachende These des Internetaktivisten Sascha Lobo.

Es ist schon fast eine Binsenweisheit: Die Digitalisierung verändert unser Leben grundlegend! Dennoch lohnt es sich, noch einmal darüber nachzudenken, wie grundlegend die Veränderungen sein können. Denn es sind weniger Hard- und Software, die sie beschleunigen, als vielmehr unser geändertes Verhalten und die aus der systematischen – und von uns zugelassenen – Erfassung unseres Verhaltens resultierenden Datenberge. Im Nullkommanichts mutiert ein harmloses Foto von Mitarbeitern, in der Pause auf Facebook gepostet, zur App, die anhand von Fotos den Kaloriengehalt einer Mahlzeit berechnet. Facebook bietet werbetreibenden Unternehmen den Zugang zu Zielgruppen, die zum Beispiel mit den Merkmalen „Wohnort Australien, weiblich, 12–16 Jahre alt, deprimiert“ beschrieben werden.
Faszination und Furcht, Chance und Risiko liegen also auch hier nah beieinander. „Und trotzdem ist das erst der Anfang dessen, was wir unter digitaler Transformation und exponentiellem Fortschritt verstehen“, prognostiziert Sascha Lobo. Der damit einhergehenden immer größer werdenden Furcht und Ablehnung bei Mitarbeitern sei am besten mit Aufklärung und Verständnis zu begegnen: mit Bildung und Fortbildung sowie Personalpolitik, die sich das kommunikative Wesen der Social Media zunutze macht.


Wechselwirkung aus Technologie & menschlichem Verhalten



Die Weiterentwicklung der Technologien alleine kann den Siegeszug der digitalen Transformation nicht begründen. Erst durch das menschliche Verhalten entsteht eine Wechselwirkung, die unvorhersehbare Entwicklungen mit sich bringen kann. So führte etwa das erst vor zehn Jahren eingeführte iPhone zu einem ganz neuen Verhalten der „Datenbegeisterung“: Die Menschen lieben es, Daten ins Netz zu stellen. Damit sind immer mehr Datenströme verfügbar, die wiederum alte Geschäftsmodelle bedrohen und neue entstehen lassen. So liefern schon heute Nutzerprofile sozialer Medien eine Erkenntnistiefe über Personen, die der von Assessment Centern deutlich überlegen ist und sogar Rückschlüsse auf zukünftige Lernerfolge im Studium zulassen. Sascha Lobo schlägt hier eine Lanze für das im 70-20-10- Modell enthaltene Lernen als soziale Interaktion und das daraus folgende „Social Learning“, bei dem er das Verschmelzen von sozialem und formellem Lernen vorhersagt.

 

Mobil ist das neue Normal


Unterstützt werden die digitale Transformation und das Datensammeln durch die Mobile Revolution, die dazu führt, dass im Internet mittlerweile mehr Seitenaufrufe über Mobilgeräte als über Desktopgeräte erfolgen: „Das Mobil ist das neue Normal“, konstatiert Lobo. Doch eigentlich sei sie eine Social Mobile Revolution mit einer neuen Art der Kommunikation: zum einen intensiv und vernetzt, zum anderen von der digitalen Ungeduld einer hypermobilen Generation geprägt. Da hat zum Beispiel eine traditionelle Banküberweisung keine Chance gegen neue Dienste, die dem Bedürfnis nach „Sofortness“ entsprechend mobile Direktüberweisungen gebührenfrei in Sekundenschnelle ermöglichen und dafür im Gegenzug die Daten zur Kaufhistorie des Kunden erhalten.


Wohin die digitale Transformation führt: „Plattform-Kapitalismus“ & Bildung


Die fünf wertvollsten Unternehmen der Welt gehören nicht mehr der Öl- oder Automobilindustrie oder dem Finanzsektor an, sondern sind Software- und Plattformkonzerne, die auf Vernetzung setzen: Apple, Alphabet, Microsoft, Amazon und Facebook. Ihr Rohstoff sind Datenströme, die sie konsequent auswerten. Die Produktverschiebung von der Hardware über vernetzte Software zu Daten haben sich diese Unternehmen zunutze gemacht. Wo Vernetzung im Spiel ist, nutzen sie das Potenzial aus, so dass gilt: „Was zur Plattform werden kann, wird zur Plattform werden.“
Wo Daten in Wissen umgewandelt werden sollen ist Bildung notwendig – nicht nur engagieren die 5 Giganten sich mit Projekten wie etwa der Amazon University für ihre eigenen Mitarbeiter und die Mitglieder ihres „Ecosystem“, sondern sie propagieren auch, dass der Erfolg von Organisationen bei exponentiell zunehmender Veränderungsgeschwindigkeit davon abhängt, wie gut die Menschen mit dem Wandel zurechtkommen und wie produktiv sie damit umgehen können. „Das Gelingen der digitalen Transformation ist eindeutig eine Bildungsfrage“, behauptet Sascha Lobo. Erst mit gezielten Erklärungen und Erkenntnissen, idealerweise mit Social Learning, verlören die Mitarbeiter die bereits beschriebene Furcht vor dem digitalen Wandel.


Datenströme heben neue Effizienzen


Im „Plattform-Kapitalismus“ gelingt es, nach Sascha Lobo, einem Unternehmen wie Tesla nicht nur, in den USA zum erfolgreichsten Hersteller von Automobilen in der Oberklasse zu avancieren, sondern auch neue Geschäftsmodelle entstehen zu lassen: etwa virtuelle Kraftwerke mit den dezentralen privaten Energiespeichern der Elektroautos oder mit kostenlosen Solardachziegeln, deren Produktionsüberschuss an Tesla geht. „Ich glaube, dass der Dachziegel das iPhone der Energiewirtschaft werden könnte“, so Lobo. Für die Folgen des digitalen Wandels und seine Durchdringung von Wirtschaft und Gesellschaft gibt es viele Beispiele, auch für die sogenannte „Effizienz- Radikalität“ permanenter Überwachung, und sei es „nur“ durch eine vernetzte Zahnbürste und die zahlreichen Devices zur „Body-Control“. Auf einmal gibt es Datenströme, wo vorher keine waren, und sie werden die analoge Geschäftswelt durcheinanderwirbeln, prophezeit der Internetexperte: „Niemand kann diesen Prozess aufhalten. Deswegen sollten die Unternehmen die digitale Transformation mit aller Kraft mitgestalten. ‚Kleinhoffen funktioniert nicht!‘“


Facts & Figures

• Sascha Lobo, 42 Jahre, Autor, Vordenker der Digitalisierung

• Freier Autor bei Spiegel Online: „Mensch-Maschine“, wöchentliche Kolumne zur digitalen Welt seit 2011

• Bis 2011 freiberuflicher Strategieberater

• Zahlreiche Sachbücher zu den Themen Arbeit, Netz und Gesellschaft

• Studium Gesellschafts- und Wirtschaftskommunikation